Mediennutzung im Wandel – zentrale Ergebnisse der JIM Studie 2025
Die JIM Studie 2025 (Jugend, Information, Medien) wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) herausgegeben und untersucht seit über 25 Jahren den Medienumgang von Jugendlichen in Deutschland. Für die aktuelle Ausgabe wurden zwischen Juni und Juli 2025 insgesamt 1.200 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren repräsentativ befragt.
Ein zentrales Ergebnis der JIM Studie 2025: Mediennutzung bleibt auf hohem Niveau stabil, verändert aber ihre Form. Während sich Geräteausstattung und Plattformen nur langsam wandeln, nimmt die Intensität der Nutzung weiter zu – vor allem beim Smartphone. Nahezu alle Jugendlichen besitzen ein eigenes Gerät, und 98 Prozent nutzen es regelmäßig. Die durchschnittliche tägliche Bildschirmzeit liegt bei rund 231 Minuten, also knapp vier Stunden. Bei den 18- bis 19-Jährigen steigt dieser Wert sogar auf über viereinhalb Stunden täglich. Auffällig ist, dass die JIM Studie 2025 erstmals bewusst auf die Angabe einer allgemeinen „Online-Zeit“ verzichtet. Stattdessen wird die direkt am Smartphone gemessene Bildschirmzeit herangezogen. Dieser methodische Schritt trägt der Tatsache Rechnung, dass Online- und Offline-Aktivitäten zunehmend miteinander verschmelzen und klassische Zeitangaben immer ungenauer werden.
Apps, Plattformen und Kommunikation: Was Jugendliche wirklich nutzen
Auch bei den genutzten Apps liefert die JIM Studie 2025 spannende Einblicke. WhatsApp bleibt mit großem Abstand die wichtigste App für Jugendliche und ist aus dem Alltag kaum wegzudenken. Instagram behauptet sich stabil auf Platz zwei. Überraschend ist der Aufstieg von Snapchat: Die App liegt erstmals seit 2017 wieder auf Rang drei der wichtigsten Anwendungen und überholt TikTok knapp. TikTok selbst stagniert in der Nutzung, während YouTube weiter an Bedeutung verliert – zumindest als „wichtigste App“. Dennoch bleibt YouTube vor allem für jüngere Jugendliche ein zentraler Ort für Unterhaltung, Videos und Information. Besonders Jungen nutzen die Plattform intensiver als Mädchen.
Die JIM Studie 2025 zeigt zudem, dass sich die Nutzung von Social Media weiter intensiviert. Zwar steigen die Anteile regelmäßiger Nutzung kaum noch, dafür nimmt die mehrmals tägliche Nutzung deutlich zu – insbesondere bei WhatsApp, Instagram und Snapchat. Kommunikation findet damit nicht nur häufig, sondern sehr fragmentiert über den gesamten Tag verteilt statt.
![]() |
![]() |
Freizeit, Alltag und ein überraschender Spitzenreiter
Ein besonders bemerkenswertes Ergebnis der JIM Studie 2025 betrifft die Freizeitgestaltung. Erstmals seit Beginn der Studienreihe steht Sport auf Platz eins der regelmäßigen Freizeitaktivitäten. Treffen mit Freund*innen rutschen auf Rang zwei. Dieser Wandel ist weniger auf einen starken Anstieg sportlicher Aktivität zurückzuführen, sondern vielmehr auf einen langfristigen Rückgang persönlicher Treffen.
Medien spielen dennoch weiterhin eine große Rolle im Alltag. Musik hören, Videos schauen, Streaming und Gaming gehören für die Mehrheit der Jugendlichen zur täglichen oder mehrmals wöchentlichen Routine. Besonders Musikstreaming hat stark an Bedeutung gewonnen: Jugendliche hören im Schnitt über zwei Stunden täglich Musik über Streamingdienste – deutlich mehr als noch im Vorjahr.
Zwischen Dauer-Online und digitalem Überdruss
Neben Zahlen und Nutzungsraten macht die JIM Studie 2025 vor allem eines deutlich: Viele Jugendliche stehen ihrem eigenen Medienverhalten zunehmend ambivalent gegenüber. Rund zwei Drittel geben an, häufiger länger am Handy zu sein als ursprünglich geplant. Gleichzeitig berichten ebenso viele, dass sie es genießen, bewusst Zeit ohne Smartphone und Internet zu verbringen – ein Wert, der im Vergleich zu 2024 deutlich gestiegen ist.
![]() |
![]() |
Diese Diskrepanz zwischen Einsicht und Verhalten zeigt sich auch beim Thema Schlaf und Konzentration. Drei von zehn Jugendlichen fühlen sich morgens müde, weil sie nachts zu lange am Handy waren. Fast die Hälfte gibt an, bei Hausaufgaben oder Lernen durch das Smartphone abgelenkt zu werden. Dennoch schaltet nur etwa ein Drittel das Handy regelmäßig bewusst aus, um Zeit für sich zu haben.
Nachrichten, Information und neue Recherchewege
Auch beim Thema Information liefert die JIM Studie 2025 wichtige Erkenntnisse. Das Interesse an aktuellen Nachrichten ist weiterhin hoch, insbesondere das Thema Krieg beschäftigt Jugendliche stärker als im Vorjahr. Gleichzeitig versuchen rund ein Viertel der Befragten zumindest gelegentlich, Nachrichten bewusst zu meiden – meist aus emotionaler Überforderung.
Familie und Freund*innen bleiben die wichtigsten Informationsquellen für das aktuelle Weltgeschehen. Ergänzt werden sie durch klassische Nachrichtenangebote, Social Media und YouTube. Auffällig ist zudem die wachsende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz: ChatGPT ist laut JIM Studie 2025 bereits das zweitwichtigste Recherche-Tool nach Suchmaschinen und wird von vier von zehn Jugendlichen regelmäßig genutzt.

Zusammenfassung und Chancen für Radiosender
Die JIM Studie 2025 zeigt Jugendliche als kompetente, aber auch zunehmend reflektierte Mediennutzer*innen. Digitale Medien sind fester Bestandteil ihres Alltags, gleichzeitig wächst das Bewusstsein für Grenzen, Überforderung und den Wert von Offline-Zeit. Die Ergebnisse liefern wichtige Anhaltspunkte für Eltern, Schulen, Politik und Medien und zeigen, dass sich die Dinge verändern. Darin ist ebenfalls eine große Chance für Radiosender zu sehen. Denn die JIM Studie 2025 macht deutlich, dass Jugendliche bewusste Offline-Momente zunehmend schätzen. Wenn Smartphones bewusst zur Seite gelegt werden, etwa beim Sport, auf dem Schulweg oder bei gemeinsamen Aktivitäten, kann Radio als niedrigschwelliger, ablenkungsfreier Begleiter überzeugen.
Besonders Events, Live-Formate, Schulaktionen oder lokale Veranstaltungen bieten Radiosendern die Möglichkeit, Jugendliche emotional zu erreichen und echte Erlebnisse zu schaffen, die über reinen Medienkonsum hinausgehen.
Ihr einzigartiger USP liegt dabei in der regionalen Nähe: Radiosender sind vor Ort, kennen die Lebenswelt der Jugendlichen, sprechen ihre Sprache und können dort präsent sein, wo digitale Plattformen nicht greifen – im echten Leben, direkt in der Region. Genau hier können Radiosender der wachsenden Offline-Sehnsucht einen konkreten Ort verleihen. Durch bewusst geschaffene Erlebnisse – vom Schulhof-Event über Sportaktionen bis hin zu lokalen Konzerten – entstehen Offline-Momente, die positiv mit dem Medium Radio verknüpft werden. So kehrt Radio nicht nur ins Bewusstsein der Jugendlichen zurück, sondern wird Teil ihrer persönlichen Erlebnisse. Gleichzeitig eröffnen sich neue Möglichkeiten für innovative Formate, die On-Air, Off-Air und digitale Kanäle sinnvoll miteinander verbinden.





