Aus Lokalrundfunktagen werden Lokalmedientage: Ein etabliertes Branchenevent entwickelt sich weiter
Die Lokalmedientage 2026 stehen für die Weiterentwicklung einer langjährig etablierten Branchenveranstaltung. Aus den seit vielen Jahren in Nürnberg stattfindenden Lokalrundfunktagen wurden erstmals die Lokalmedientage. Die neue Bezeichnung trägt der veränderten Medienlandschaft Rechnung: Lokale Medien bestehen heute längst nicht mehr ausschließlich aus Radio und Fernsehen, sondern umfassen auch Podcasts, Streaming-Angebote, Social Media, digitale Plattformen und weitere Audioformate.
Mit der Umbenennung wird deutlich, dass sich auch die Aufgaben lokaler Medienhäuser verändert haben. Sie produzieren Inhalte nicht mehr nur für klassische Kanäle, sondern entwickeln zunehmend crossmediale Angebote und digitale Strategien. Die Eröffnung der Lokalmedientage 2026 machte deutlich, welche Bedeutung lokale Medien für Gesellschaft, Meinungsbildung und regionale Identität haben. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass technologische Entwicklungen und neue Vermarktungsmodelle entscheidend sein werden, um die Zukunft lokaler Medien erfolgreich zu gestalten.
Radio bleibt ein starkes Medium im digitalen Wandel
Trotz einer stetig wachsenden Zahl digitaler Plattformen bleibt Radio ein fester Bestandteil des Medienalltags. Die Lokalmedientage 2026 unterstrichen erneut die Bedeutung des Hörfunks als reichweitenstarkes und glaubwürdiges Medium. Besonders lokale Radioprogramme verfügen über eine besondere Stärke: Sie schaffen Nähe. Regionale Informationen, vertraute Stimmen und die Verbindung zum direkten Lebensumfeld sorgen für eine hohe Bindung zu den Hörerinnen und Hörern.
Diese Eigenschaften machen Radio auch für Werbungtreibende attraktiv. Audiowerbung verbindet Reichweite mit Emotion und erreicht Menschen in vielen Alltagssituationen – beispielsweise unterwegs, am Arbeitsplatz oder zu Hause. Gerade die Kombination aus lokaler Relevanz und moderner digitaler Ausspielung bietet Unternehmen vielfältige Möglichkeiten, ihre Zielgruppen wirkungsvoll anzusprechen.
Künstliche Intelligenz in der Medienpraxis: Von Coding bis zu konkreten Anwendungen
Künstliche Intelligenz war eines der bestimmenden Themen der Lokalmedientage 2026. Im Mittelpunkt stand dabei weniger die Technologie selbst, sondern vor allem die praktische Frage: Wie können Medienunternehmen KI sinnvoll und rechtskonform einsetzen?
Ein wichtiger Impuls kam durch Jim Sengl und den Blick auf Coding und digitale Entwicklung. Dabei wurde deutlich, dass technisches Verständnis und digitale Kompetenzen zunehmend zu wichtigen Faktoren moderner Medienarbeit werden. Coding zeigt exemplarisch, wie Medienhäuser ihre technologischen Fähigkeiten ausbauen können. Wer digitale Systeme versteht, kann neue Werkzeuge besser bewerten, Prozesse effizienter gestalten und innovative Lösungen entwickeln.

Exkurs: Das KI-Reallabor Bayern zeigt Wege in die praktische Anwendung
Wie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Medienunternehmen konkret aussehen kann, zeigt das KI-Reallabor Bayern. Die Initiative steht beispielhaft dafür, wie neue Technologien praxisnah erprobt und auf ihre tatsächlichen Einsatzmöglichkeiten geprüft werden können. Der Fokus liegt dabei nicht ausschließlich auf technischen Möglichkeiten, sondern auf der praktischen Frage: Welchen Mehrwert kann KI im Arbeitsalltag von Medienunternehmen schaffen?
Für Medienhäuser ergeben sich dadurch wichtige Erfahrungen:
- Welche Prozesse können sinnvoll unterstützt werden?
- Wo entstehen Effizienzgewinne?
- Welche Anwendungen bieten einen echten Mehrwert?
- Wie lassen sich neue Technologien verantwortungsvoll integrieren
Der Blick auf solche Praxisbeispiele zeigt: Erfolgreicher KI-Einsatz entsteht nicht allein durch die Verfügbarkeit neuer Tools. Entscheidend sind Kompetenz, Strategie und ein verantwortungsvoller Umgang mit Technologie. Dr. Thorsten Schmiege, Präsident der BLM, sieht im KI-Reallabor Bayern einen wichtigen Baustein für die Medienlandschaft:
„Künstliche Intelligenz wird für Medienhäuser nur dann relevant, wenn aus Ideen konkrete, vor allem aber rechtssichere Anwendungen werden. Genau dafür schafft das KI-Reallabor des KI.M einen Rahmen. Die Ergebnisse stehen der gesamten Branche zur Verfügung, was gerade für kleinere und mittlere Medienunternehmen die Entwicklung von Prototypen erleichtert.“
AI Act: Zwischen Innovation und Verantwortung
Neben den Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz spielte auf den Lokalmedientagen 2026 auch die regulatorische Perspektive eine wichtige Rolle. Der AI Act der Europäischen Union stellt Medienunternehmen vor neue Herausforderungen und beschäftigt die Branche, insbesondere beim Umgang mit KI-generierten Inhalten. Gerade für Radio und Audio ergeben sich besondere Fragestellungen. Synthetische Stimmen, automatisierte Inhalte oder KI-gestützte Produktionsprozesse eröffnen neue Möglichkeiten, müssen aber gleichzeitig transparent und verantwortungsvoll eingesetzt werden.

Das Panel “Achtung, KI spricht!” der Audioexpertin Katharina Zeschke zeigte eindeutig, dass Medienunternehmen einen Weg finden müssen, Innovation und Vertrauen miteinander zu verbinden. Im Panel ging es um konkrete Hörbeispiele, KI-Werbespots und Praxisfällen, welche Audioinhalte künftig betroffen sein können und warum die Umsetzung besondere Anforderungen an die Branche stellt. Im Mittelpunkt standen aktuelle Entwicklungen rund um den AI Act, Leitlinien und den geplanten Code of Practice sowie die Frage, wie Kennzeichnung und Transparenz im Audioalltag funktionieren können.
Diskutiert wurden unter anderem der Umgang mit Deepfakes, KI-generierten Stimmen, Verantwortlichkeiten entlang der Produktionskette und mögliche Lösungen für Medienunternehmen. Auch aus Sicht der Audiobranche wurde deutlich: Es gibt derzeit noch zahlreiche offene Fragen, für die zeitnah praktikable Lösungen entwickelt werden müssen. Für Audio ist Glaubwürdigkeit ein zentraler Erfolgsfaktor. Die Stimme, die persönliche Ansprache und die journalistische Einordnung sind wesentliche Bestandteile der Radiowirkung. Diese Werte müssen auch beim Einsatz neuer Technologien erhalten bleiben.
Unser CEO Andreas Lang machte auf dem Panel deutlich, dass die Branche vor der Herausforderung steht, Innovation und Rechtssicherheit miteinander zu verbinden. Gerade im Audio-Bereich braucht es klare Rahmenbedingungen und umsetzbare Standards, damit neue Technologien genutzt werden können, ohne das wichtigste Gut von Radio und Audio zu gefährden: Vertrauen.
Achtung, KI spricht! «« Hier zum Nachhören!
Fazit: Die Zukunft lokaler Medien verbindet Erfahrung und Innovation
Die Lokalmedientage 2026 haben gezeigt, dass sich Radio und Audio in einem dynamischen Veränderungsprozess befinden. Gleichzeitig bleiben die Kernstärken des Mediums erhalten: Nähe, Vertrauen und emotionale Wirkung. Die im Mittelpunkt stehenden Diskussionen rund um KI und den AI Act verdeutlichen aber, dass zukünftig technologische Entwicklungen die Medienbranche nachhaltig prägen werden. Doch wer sich im Audiomarkt der Zukunft behaupten will, muss sich fragen: Reicht es noch, auf bewährte Medienkompetenz zu vertrauen und diese in den Vordergrund zu stellen, oder entscheidet künftig der mutige Einsatz neuer Technologien über Erfolg und Relevanz?
